81. Krefeld 2004

81. Jahrestagung der Deutschen Dante-Gesellschaft in Krefeld (2004)

Vom 8. bis 10. Oktober 2004 fand im Gebäude der VHS Krefeld die 81. Jahrestagung der Deutschen Dante-Gesellschaft statt. Die Reihe der Vorträge begann am Samstagvormittag mit dem Beitrag “Supplemente der Vernunft. Zu den Träumen in Dantes Purgatorio” von Florian Mehltretter (Köln). Anhand dreier Traumszenen aus dem Purgatorio zeigte Mehltretter, dass alle das Auftreten Mateldas im Irdischen Paradies vorbereiten. Die dabei sichtbare systematische Unterscheidung zwischen der Bedeutung eines Traumes und seiner Funktion sei in dem Zusammenhang auch das Neue bei Dante. – In dem sich anschließenden zweiten Vortrag über “Deutsche Übersetzungen der Divina Commedia. Zu ihrer Geschichte und Problematik” gab Reinhard Klesczewski (Düsseldorf) einen Überblick über die heute vorliegenden Gesamt-Übersetzungen der Divina Commedia. Fast alle dieser überwiegend in Versen geschriebenen Übersetzungen müssten aufgrund der unterschiedlichen Struktur des Deutschen und des Italienischen mit Notlösungen arbeiten, doch hänge die Frage nach dem Wert von gereimten Übersetzungen sicher von den Erwartungen der jeweiligen Leser ab.

Es folgte am Nachmittag der Beitrag von Anne Neuschäfer (Aachen) zum Thema “‘Fatti non foste a viver come bruti / Ma per seguir virtute e canoscenza’. Primo Levis Lektüre der letzten Reise des Odysseus bei Dante”. Unter den vielfältigen Deutungen des Odysseus rücke gerade die einer Verkörperung ungezügelten Wissensdurstes ihn in die Nähe des Dichters Dante, der zugleich Hüter der “memoria” sei. Damit sei die Brücke zu Primo Levis Se questo è un uomo (1947) geschlagen, das auch sonst viele Gemeinsamkeiten mit Dante aufweise – doch habe Levi im Gegensatz zu Dante keinen Halt im Glauben gehabt. – In dem sich anschließenden Vortrag über “Dante für die Aufklärung – Alfonso Varano: Visioni sacre e morali” stellte Klaus Ley (Mainz) nicht nur diesen heute weitgehend unbekannten Autor (1705-88) und seine aus zwölf canti bestehenden Visioni (1749-66) vor, sondern wies auch eine Reihe von Punkten nach, in denen er auf Dante zurückgreife. Varano habe Dante primär als mittelalterlich-rechtgläubigen Christen wahrgenommen und gehöre so gesehen zu den Vorbereitern der Romantik. Der letzte Beitrag des ersten Tages von Paul Geyer(Bonn) widmete sich der Frage “Wie Ariost Dante parodiert”. Anhand von acht durch Ariost verfremdeten Dante-Passagen wies Geyer nach, dass Ariosts Parodie-Versuche als Angriffe selbst auf die Eckpfeiler des Normensystems bei weitem die Toleranzgrenze überschritten und so die Basis selbst zerstörten. – Den Abschluss des Nachmittags bildete ein Empfang der Tagungsteilnehmer im Ratssaal der Stadt Krefeld.

Der Sonntagmorgen begann mit dem Lichtbilder-Vortrag “Dimensionen von Musicazur Zeit Dantes zwischen Religion, Wissenschaft und tönender Kunst” von Klaus Wolfgang Niemöller (Köln). Er behandelte zu Dantes Zeit einflussreiche – und ihm bekannte – Musiktheorien und führte diese auf zwei große Traditionen, die antike Musiktheorie und die von Gregor dem Großen um 600 eingeführte Choralmusik zurück. – Den Abschluss der Tagung bildete die traditionelle Lectura DantisThomas Brückner (Essen) las Paradiso VI in der unedierten Übersetzung von Salo Weindling zunächst abschnittweise vor, um danach die jeweiligen Abschnitte zu erläutern. Nach dieser Interpretation rezitierte Valentina Pennacino (Genua) den gleichen Gesang in italienischer Sprache, bevor Bernhard König als Präsident der Deutschen Dante-Gesellschaft diese reichhaltige Tagung schloß, deren nächste vom 7. bis zum 9.10.2005 in München stattfinden wird.

Joachim Leeker (Chemnitz)