89. Konstanz 2012

Dante-Tagung 2012 in Konstanz

Thema: „Geist und Geld“

Vom 12. bis 14. Oktober 2012 fand im Ratssaal der Stadt Konstanz die 89. Jahrestagung der Deutschen Dante-Gesellschaft (DDG) statt. Sie wurde am Freitag-Nachmittag mit der Ausstellung der Werke von Monika Beisner unter der Überschrift Dante & das irdische Jenseits – die Göttliche Komödie in malerischen Interpretationen eingeleitet. Am Samstag-Morgen eröffnete dann der Präsident der DDG, Winfried Wehle, die Tagung. Ihm schlossen sich der Oberbürgermeister Uli Burchardt, Magnifizenz Ulrich Rüdiger und der italienische Konsul aus Freiburg, Dott. Filippo Romano an. Es folgte der Vortrag von Frank-Rutger Hausmann (Freiburg): “Die Deutsche Dante-Gesellschaft im geteilten Deutschland”. Er stellte dabei in Parallele zum gleichnamigen Buch die aktuelle Forschungslage, historische Passagen der DDG bis zum 2. Weltkrieg und im geteilten Deutschland vor sowie die Quellenlage.

Im Anschluss führte Thomas S. Hoffmann (Hagen) seine Betrachtungen über die Haltung Dantes bzgl. des moralischen Einflusses des Geldes auf den Menschen in seinem mit „‘Il maladetto fiore’. Philosophie und Psychologie des Geldes bei Dante“ betitelten Vortrag aus. Die ökonomische Seite des Geldes werde bei Dante noch ausgeblendet und war der Fortuna unterlegen, erst im 15. Jh. habe man der Thematik gegenüber eine positivere Haltung eingenommen, bis man schließlich im 18. Jh. von „ökonomischem Fortschritt“ zu sprechen begänne.

Die Nachmittagssitzung eröffnete Michael Schwarze (Konstanz) mit: „‘Faccianli onore, ed esser può lor caro’. Zu einem merkantilen Argumentationsmuster der Commedia“. Dabei ging es um den Analogieschluss zwischen Geld und Wissen: Im Gespräch mit den Verstorbenen in der Commedia fordert Dante deren Wissen und bietet im Austausch die Aufnahme in die schriftliche memoria, also das Angebot der Unsterblichkeit durch Fixierung des Namens der Verstorbenen in der Commedia.

Danach sprach Cornelia Klettke (Potsdam) über: „Ökonomische Ethik. Die Abwägung irdischer und himmlischer Güter in Dantes Commedia“. Die Rednerin machte besonders auf den vermehrten Gebrauch von „oro“ und den weniger häufigeren von „danaro“/„denaro“ und „moneta“ in der Commedia aufmerksam, wobei die zahlreichen Konnotationen kontextabhängig positiv oder negativ lesbar seien. Auch hier kam die Bestrafung der Menschen, die sich am Gelde schuldig gemacht hatten, durch den Aufenthalt im jeweiligen Kreis des Purgatorio in einen moralischen Kontext.

Mit „Kunst und Ethik. San Francesco und Dante“ leitete Karin Westerwelle(Münster) den Sonntagmorgen ein: Die Problematik zwischen der von Franziskus für seinen Orden geforderten Armut und dem Reichtum der Kirche (besonders nach 1320). Seine Rezeption in den Viten von Thomas von Celano (1228/9 und 1247) und der Legenda maior des Bonaventura, sowie das Fresko in der Unterkirche von Assisi, auf dem Giotto Franziskus der Armut anvermählt weisen seinen Verzicht auf Besitz und seine ablehnende Haltung der Wissenschaft gegenüber aus. Dantes Franziskus-Porträt verlaufe ähnlich, denn neben Armut und Maria erweise sich Beatrice als Möglichkeit des Aufstiegs, der sich allerdings die Literatur als höchstes Ziel vorgenommen habe und damit nicht mit dem Eingang in das göttliche Jenseits in Einklang zu bringen sei. Hier differenziere sich die Ethik von der Kunst in den Augen Dantes.

Der nur wenige Wochen nach der Tagung verstorbene Hartmut Köhler führte durch das Paradiso XIKai Nonnenmacher (Regensburg) beleuchtete die Rezeption Dantes in Musils Der Mann ohne Eigenschaften, sowie Franziskus’ Schweigen in Par. XI, den Aufbau des Paradiso, die scholastische Argumentation bei Thomas von Aquin und schließlich die „Vagheit der Sprache“, die im Angesichts Gottes das Scheitern der Kunst eingestünde. Paradiso XI wurde zum Abschluss von Valentina Pennacino(Genua) in italienischer Sprache rezitiert.

Musikalisches Rahmenprogramm: Arie antiche, Janine Firges (Gesang) und Sophie Nawara (Cembalo).

Beim Stehempfang klang die 89. Jahrestagung des Deutschen Dantegesellschaft aus.

 

 

 

Programm

Freitag, 12. Oktober

17:00 Uhr Vernissage „Monika Beisner: Dante & das irdische Jenseits –
die Göttliche Komödie in malerischen Interpretationen“
„BildungsTURM“ der Stadt Konstanz (Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstraße 43)
19:30 Uhr Begrüßungstreffen im Restaurant „Hafenhalle“ (Hafenstraße 10)

Samstag, 13. Oktober

9:00 Uhr Mitgliederversammlung (Ratssaal der Stadt Konstanz, Hussenstraße 15)
10:00 Uhr Kaffeepause
10:30 Uhr Eröffnung der Tagung durch den Präsidenten der Deutschen Dante-Gesellschaft Prof. Dr. Winfried Wehle
Grußwort des Rektors der Universität Konstanz Prof. Dr. Ulrich Rüdiger
Grußwort der Stadt Konstanz
Grußwort des Italienischen Konsuls Dott. Filippo Romano (Freiburg)

Anschließend: Prof. Dr. Frank-Rutger Hausmann (Freiburg):
„Die Deutschen Dante-Gesellschaft im geteilten Deutschland“
Prof. Dr. Thomas S. Hoffmann (Hagen):
„Il maladetto fiore. Philosophie und Psychologie des Geldes bei Dante“

Mittagspause

15:00 Uhr Prof. Dr. Michael Schwarze (Konstanz):
„Faccianli onore, ed esser può lor caro. Zur Gnadenökonomie der Commedia“
16:00 Uhr Prof. Dr. Cornelia Klettke (Potsdam):
„Ökonomische Ethik. Die Abwägung irdischer und himmlischer Güter in Dantes Commedia“
19:00 Uhr Abendessen im Hotel Barbarossa (Obermarkt 8-12)

Sonntag, 14. Oktober

9:30 Uhr Prof. Dr. Karin Westerwelle (Münster):
„Kunst und Ethik. San Francesco und Dante“
10:30 Uhr Kaffeepause
11:00 Uhr „Lectura Dantis – Paradiso XI“: Dr. Kai Nonnenmacher (Regensburg)
Rezitation in deutscher Sprache: Hartmut Köhler
Rezitation in italienischer Sprache: Valentina Pennacino
„Arie antiche“ – Gesang: Janine Firges, Cembalo: Sophie Nawara

Anschließend: Stehempfang
15:00 Uhr Historische Stadtführung